Stop-Loss richtig setzen: Warum die ATR der bessere Maßstab ist
Ein zu enger Stop wirft dich aus guten Trades, ein zu weiter kostet zu viel Kapital. Die Average True Range löst beides — weil sie den Stop an die tatsächliche Schwankung der Aktie koppelt.
Die meisten Trades scheitern nicht an der Einstiegsidee, sondern am Ausstieg. Ein Stop-Loss — die Kursmarke, an der eine Position automatisch verkauft wird — ist dabei Pflicht, nicht Option. Die eigentliche Frage lautet: Wo gehört er hin?
Das Problem mit runden Zahlen und Prozent-Regeln
Viele Anleger setzen den Stop pauschal, etwa „5 % unter Einstieg" oder auf die nächste runde Zahl. Beides ignoriert, wie sich die konkrete Aktie tatsächlich bewegt:
- Eine ruhige Aktie schwankt vielleicht 0,8 % am Tag — ein 5-%-Stop ist hier unnötig weit weg und kostet im Fehlerfall zu viel.
- Ein volatiler Wert schwankt 3 % am Tag — derselbe 5-%-Stop wird mit hoher Wahrscheinlichkeit vom normalen Tagesrauschen ausgelöst, obwohl die Handelsidee intakt ist.
Ein Stop, der im normalen Rauschen liegt, ist kein Risikomanagement. Er ist ein Zufallsgenerator für Verluste.
Die ATR: Schwankung in Euro statt Bauchgefühl
Die Average True Range (ATR) misst die durchschnittliche Tagesschwankung einer Aktie in Euro — typischerweise über die letzten 14 Handelstage. Sie beantwortet die Frage: Wie viel Bewegung ist bei diesem Wert normal?
Daraus folgt eine einfache, robuste Regel:
Der Stop gehört mindestens 1× ATR, besser 1,5× ATR vom Einstieg entfernt — unterhalb einer relevanten Unterstützung.
Ein Rechenbeispiel
Angenommen, eine Aktie notiert bei 100 € und hat eine ATR von 2 € (Beispielwerte zur Illustration):
| Parameter | Wert | Logik |
|---|---|---|
| Einstieg | 100,00 € | Kaufkurs |
| ATR (14 Tage) | 2,00 € | normale Tagesschwankung |
| Stop-Loss | 97,00 € | 1,5× ATR unter Einstieg |
| Risiko je Aktie | 3,00 € | Einstieg minus Stop |
| Depot-Risikobudget | 1 % | maximaler Verlust pro Trade |
Bei einem Depot von 50.000 € und 1 % Risikobudget darfst du 500 € riskieren. Geteilt durch 3 € Risiko je Aktie ergibt das eine Positionsgröße von rund 166 Stück. Die Positionsgröße folgt aus dem Stop — nicht umgekehrt.
Drei Fehler, die du vermeiden solltest
- Stop nachträglich weiter setzen. Wer den Stop verschiebt, wenn der Kurs fällt, hat keinen Stop — sondern eine Hoffnung.
- Stop exakt auf die Unterstützung legen. Dort liegen die Stops aller anderen auch; kurze Durchstiche sind häufig. Etwas Abstand (die ATR hilft auch hier) reduziert Fehlauslösungen.
- Position vergrößern, weil der Stop „eh weit weg" ist. Das Risikobudget pro Trade bleibt konstant — egal wie überzeugend die Idee wirkt.
Fazit
Die ATR macht aus der Stop-Frage eine Rechenaufgabe statt einer Gefühlsentscheidung: Sie koppelt den Ausstieg an die reale Schwankung des Wertes und liefert gleichzeitig die passende Positionsgröße. In AURESICS wird die ATR für jeden analysierten Wert automatisch berechnet und fließt direkt in die Setup-Vorschläge ein.